Eigentlich wüssten wir genau, was wir sagen wollen - und trotzdem blockiert uns etwas. Eigentlich hätten wir eine klare Vorstellung, was uns gut tun würde - und trotzdem trauen wir uns nicht, diese Vorstellung umzusetzen. Manchmal fragen wir uns, warum wir so sind, wie wir sind. Und ob es immer so sein wird. Und manchmal haben wir einfach eine Frage, einen Zweifel oder den Wunsch nach Klärung.
Wie wir handeln und uns nach aussen hin zeigen, hat zentral mit unserem inneren Erleben, mit unserer seelischen Wirklichkeit zu tun. Goethe hat diesen Gedanken in zeitloser Gültigkeit in seinem Gedicht "Epirrhema" so beschrieben: "Nichts ist drinnen, nichts ist draussen. Denn was innen, das ist aussen". Je mehr wir also verstehen lernen, was in uns vorgeht, was uns antreibt oder hemmt, desto eher sind wir in der Lage und bereit, die Beziehung zu uns, unseren Mitmenschen und unserer Umwelt aktiv zu gestalten und nötigenfalls zu verändern. Dieser Prozess der stetigen Entwicklung und Veränderung, den der Tiefenpsychologe C. G. Jung "Individuation" genannt hat, führt zu einer ganzheitlichen Erfahrung der eigenen Persönlichkeit. Er ermöglicht, jener Mensch zu werden, der wir wirklich sind.
Die Idee, innerseelischem Geschehen äusserlich Gestalt zu verleihen, findet sich in vielen Therapieschulen. Eine der zentralen Methoden hierzu ist das Psychodrama, dessen Grundprinzip und Techniken von zahlreichen anderen Therapieansätzen aufgenommen wurden. In der Erlebniswelt des Psychodramas, quasi der äusseren Bühne, finden wir den Raum, unsere innere Bühne zu gestalten und lebendig werden zu lassen. Äussere und innere Bühne werden im Sinne Goethes gleichermassen bedeutend.
Das Psychodrama ermöglicht, spielerisch das zu erproben, was wir im realen Leben (noch) nicht wagen. Dabei begegnen wir aber nicht nur unseren Blockaden, sondern insbesondere auch unseren eigenen Kräften und Ressourcen, möglichen Lösungswegen und wirkungsvollen Impulsen für die persönliche Weiterentwicklung. In und mit der ganzen Gruppe überschreiten wir handelnd unsere innere Grenzen, lernen Verstehen durch Erleben. Wir lassen uns ein auf Begegnungen und Fragen - ob aus der Vergangenheit in die Gegenwart wirkend, ob gerade brisant und aktuell, ob auf Zukünftiges bezogen, oder ob aus unseren Träumen stammend. Behutsam begleitet, versuchen wir den ersten Schritt. In ernstem Spiel oder spielerischem Ernst kommen wir uns einen Schritt näher. Denn Psychodrama bedeutet Auseinandersetzung mit der eigenen seelischen Wirklichkeit.
Das von uns praktizierte Psychodrama als Selbsterfahrung und Selbstbegegnung entspricht dem von Ellynor und Dr. Helmut Barz entwickelten "Psychodrama auf der Grundlage der Jungschen Psychologie", wie es am gleichnamigen Institut in Zumikon seit Jahrzehnten angeboten wird. Konkret bedeutet dies: Neben den von Jakob L. Moreno entwickelten Techniken des Psychodramas spielt für das Leitungsteam das (tiefen-)psychologische Menschenverständnis C. G. Jungs eine zentrale Rolle als Grundlage des Verstehens und Handelns. Wer sich vertieft damit beschäftigen möchte, erhält in der Rubrik "FAQ" dazu umfassende Informationen.